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Kommissionieren ist einfach? – Ein Irrtum, der Sie teuer zu stehen kommen kann.

Autor:in Timm Wessels Partner & Product Manager WMS
Timm Wessels

„Ware entnehmen, Auftrag zusammenstellen, versenden.“ Auf den ersten Blick wirkt die Kommissionierung wie einer der einfachsten Prozesse in der Lagerlogistik. Doch genau dieser Eindruck täuscht. Denn in der Praxis zeigt sich immer wieder: Die Leistungsfähigkeit eines Lagers hängt nicht nur von Mitarbeitenden, Automatisierung oder moderner Technologie ab. Ein entscheidender Erfolgsfaktor wird häufig unterschätzt – die Wahl der passenden Kommissionierstrategie.

Viele Unternehmen arbeiten seit Jahren mit Verfahren, die ursprünglich gut funktioniert haben, jedoch nicht mehr optimal zur heutigen Auftrags- und Lagerstruktur passen. Nicht selten liegt das daran, dass bestehende Systeme alternative Methoden nur eingeschränkt oder gar nicht unterstützen. Die Folge: Prozesse werden unverändert fortgeführt, obwohl sich die Rahmenbedingungen längst verändert haben.

Dabei liegen erhebliche Optimierungspotenziale oft nicht in zusätzlicher Hardware oder mehr Personal, sondern in einer Kommissioniermethodik, die zu den tatsächlichen Anforderungen des Lagers passt. Die Auswirkungen sind unmittelbar spürbar: Laufwege werden länger oder kürzer, Ressourcen effizienter oder weniger effizient eingesetzt, Bearbeitungszeiten steigen oder sinken. Gleichzeitig beeinflusst die gewählte Methode die Prozessqualität, die Ergonomie am Arbeitsplatz und die Akzeptanz der Abläufe bei den Mitarbeitenden.

Unsere Erfahrung aus zahlreichen Logistikprojekten zeigt: Wird eine ungeeignete Kommissionierstrategie eingesetzt, entstehen vermeidbare Aufwände, unnötige Kosten und nicht zuletzt Frustration auf der Lagerfläche.

Welche Kommissioniermethode passt zu welchem Lager?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Die optimale Strategie hängt von mehreren Rahmenbedingungen ab, unter anderem:

  • Wie sieht die Auftragsstruktur aus?

  • Welche Überschneidungen bestehen zwischen einzelnen Aufträgen?

  • Welche Artikel- und Mengengerüste prägen das Geschäft?

  • Wie ist das Lagerlayout aufgebaut?

  • Welche Funktionen unterstützt das eingesetzte Warehouse-Management-System?

Besonders zwei Faktoren haben in der Praxis großen Einfluss auf die Wahl der geeigneten Methode:

  • Die Auftragsstruktur (Anzahl der Positionen, Auftragsgröße, Gewicht, Volumen, Artikelvielfalt)

  • Die Lagerstruktur (Lagerbereiche, Entfernungen, eingesetzte Lagertechnik)

Ziel ist immer dasselbe: Laufwege reduzieren, Ressourcen besser nutzen und die Produktivität steigern.

Die wichtigsten Kommissioniermethoden im Überblick

Bei der seriellen Kommissionierung bearbeitet eine Person einen Auftrag vollständig von Anfang bis Ende. Der Auftragsbezug bleibt jederzeit erhalten und die Prozesse sind leicht nachvollziehbar. Dieses Verfahren überzeugt durch seine Einfachheit, stößt jedoch bei großen Lagerflächen oder steigenden Auftragsmengen häufig an Effizienzgrenzen.

Enthält ein Auftrag viele Positionen oder verteilt sich die Ware über mehrere Lagerbereiche, kann die parallele Kommissionierung Vorteile bieten. Dabei arbeiten mehrere Kommissionierer:innen gleichzeitig an einem Auftrag. Die Positionen werden beispielsweise nach Lagerbereichen aufgeteilt und anschließend zusammengeführt.

Vor allem im Handel und E-Commerce bestimmen häufig zahlreiche kleinere Aufträge das Tagesgeschäft. Hier verursachen Laufwege einen erheblichen Teil des Aufwands. Beim Multi-Order-Picking werden mehrere Aufträge in einem Kommissioniervorgang zusammengefasst. Der Auftragsbezug bleibt erhalten, während ein einziger Weg durch das Lager mehrere Kundenaufträge gleichzeitig bedient. Das Ergebnis: deutlich geringere Laufzeiten und eine höhere Produktivität.

Bei sehr hohen Auftragsvolumina geraten auch Multi-Order-Verfahren an ihre Grenzen. Dann kann die serienorientierte Kommissionierung ihre Stärken ausspielen. Dabei werden die Bedarfe vieler Aufträge zunächst artikelbezogen zusammengefasst. Ein Artikel wird nur einmal in der benötigten Gesamtmenge kommissioniert und anschließend den einzelnen Aufträgen über einen Sortier- oder Verteilprozess zugeordnet. Dieses Verfahren bietet besonders hohes Effizienzpotenzial, stellt aber auch die größten Anforderungen an Prozessgestaltung, Systemunterstützung und gegebenenfalls Automatisierung.

Die beste Methode? Kommt darauf an.

Eine pauschal beste Kommissioniermethode gibt es nicht. Während kleinere Lager mit einer seriellen Kommissionierung oft bereits sehr effizient arbeiten, profitieren wachstumsstarke Handels- und E-Commerce-Unternehmen häufig von Multi-Order-Picking oder serienorientierten Verfahren.

Die Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zwischen Prozesskomplexität und Effizienzgewinn zu finden.

Mehr dazu im Webinar

In unserem Webinar „Tatort Warenausgang: Kommissioniermethoden mit integriertem WMS in Business Central zeigen wir am 20.08.2026 anhand konkreter Praxisbeispiele:

  • Welche Kennzahlen bei der Auswahl der richtigen Kommissionierstrategie entscheidend sind,

  • wann Multi-Order-Picking den größten Nutzen bietet,

  • ab welchem Punkt Item Batch Picking sinnvoll wird und

  • wie SIEVERS WMS beide Verfahren optimal unterstützt.

Neugierig geworden?

Dann schauen Sie sich unseren Webcast an und erfahren Sie, welches Potenzial in Ihrer Kommissionierung steckt.

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