In den letzten Jahren hat sich die Art und Weise, wie Unternehmen angegriffen werden, massiv verändert. Früher standen vor allem bekannte Schwachstellen in Software und Systemen im Fokus der Sicherheitsabteilungen. Doch die moderne Angriffslandschaft ist komplexer, schneller und vielseitiger geworden. Das Ergebnis: Ein klassisches Schwachstellenmanagement reicht heute nicht mehr aus.
Exposure Management setzt genau an diesem Punkt an – ein Ansatz, der die gesamte Angriffsfläche eines Unternehmens betrachtet und Risiken im tatsächlichen Kontext bewertet. Im Folgenden erfahren Sie, worin sich beide Ansätze unterscheiden, warum Exposure Management den nächsten logischen Schritt darstellt und wie Unternehmen davon profitieren können:
Inhaltsverzeichnis
Was Schwachstellenmanagement leistet – und wo seine Grenzen liegen
Schwachstellenmanagement (Vulnerability Management) gehört seit Jahren zu den Grundpfeilern der Unternehmenssicherheit. Der Ablauf ist klar definiert:
Systeme scannen
Bekannt gewordene Schwachstellen identifizieren
Kritikalität bewerten
Patches einspielen
Nachkontrolle
Der Fokus liegt dabei auf technischen Schwachstellen, die meist über die CVE-Datenbank erfasst sind. Für viele Jahre war dieser Ansatz ausreichend, denn Angreifende nutzten vor allem genau diese Lücken aus.
Doch moderne hybride IT-Landschaften bestehen längst nicht mehr nur aus Servern und Clients. Unternehmen nutzen SaaS, PaaS, Multi-Cloud, API-Integrationen, Remote Work und Identity-Lösungen wie Entra ID oder Okta. Und genau hier beginnt die echte Herausforderung: Schwachstellenmanagement deckt nur einen kleinen Teil dessen ab, was Angreifer heute ausnutzen.
Was macht Exposure Management anders?
Exposure Management betrachtet nicht nur einzelne Schwachstellen, sondern die komplette Angriffsoberfläche eines Unternehmens. Dabei geht es vor allem um eines: Risiken im Kontext zu verstehen.
Es umfasst deutlich mehr als technische Bugs:
- Fehlkonfigurationen, die Systeme unnötig exponieren
- Identitätsrisiken wie überprivilegierte Accounts oder alte Zugänge
- Schatten-IT – also unbekannte oder nicht verwaltete Ressourcen
- Angreiferverhalten und reale Bedrohungsdaten
- Cloud Assets, die sich dynamisch verändern
- Offene Ports & Dienste, die eigentlich nicht erreichbar sein sollten
- Exponierte Daten oder Fehlkonfigurationen in SaaS-Tools
- Geschäftskritikalität eines Assets
Das Ziel ist nicht, alle Findings gleich zu behandeln, sondern diejenigen zu priorisieren, die echte Angriffswege ermöglichen.
Warum Exposure Management heute entscheidend ist
Unternehmen müssen nicht mehr nur wissen, wo Schwachstellen existieren – sondern wie wahrscheinlich diese ausgenutzt werden können.
Moderne Angriffe entstehen häufig über:
- ungesicherte Azure- oder AWS-Identitäten
- Fehlkonfigurationen in der Cloud
- offengelegte API-Endpunkte
- unsichere SaaS-Integrationen
- falsch konfigurierte Firewall-Regeln
- Phishing, das durch überprivilegierte Accounts besonders gefährlich wird
Diese Risiken tauchen in klassischen Schwachstellenreports oft gar nicht auf.
Exposure Management verbindet daher technische Findings mit Business-Kontext und realer Bedrohungsintelligenz.
Das Ergebnis sind echte Prioritäten statt bloßer Patch-Listen.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Schwachstellenmanagement | Exposure Management | |
| Fokus | Technische Schwachstellen (CVE) | Gesamte Angriffsoberfläche |
| Perspektive | System- und IT-getrieben | Risiko- und Business-orientiert |
| Fragen, die beantwortet werden | „Welche Schwachstellen haben wir?“ | „Wie könnten wir wirklich angegriffen werden?“ |
| Priorisierung | CVSS Score | Kontext + Kritikalität + Bedrohungsdaten |
| Umfang | Lücken in Software/Systemen | Identitäten, Cloud, Konfigurationen, Assets, Verhalten |
| Ergebnis | Patch-Empfehlungen | Risikoreduzierende Maßnahmen über IT hinaus |
Für wen eignet sich Exposure Management?
Unternehmen, die:
- komplexe Cloud- oder Hybridumgebungen betreiben
- viele SaaS-Tools und Integrationen nutzen
- Zero-Trust-Strategien verfolgen
- Sicherheitspriorisierung verbessern müssen
- Security als Business-Risiko verstehen
Kurz gesagt: fast alle modernen Organisationen.
Exposure Management ist die Weiterentwicklung des Vulnerability Managements.
Schwachstellenmanagement bleibt wichtig – keine Frage. Doch allein reicht es nicht mehr aus, um moderne Angriffe abzuwehren. Exposure Management schließt diese Lücke, indem es:
- Risiken ganzheitlich betrachtet
- Prioritäten auf Basis realer Bedrohungen setzt
- über das reine Patchen hinausgeht
- Business und Security miteinander verbindet
Für Unternehmen, die ihre Sicherheitsstrategie zukunftsfähig machen wollen, ist Exposure Management kein „Nice to have“ mehr – sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
