Die IT-Architekten: IT-Strategien und ihre Bedeutung für den Mittelstand

IT-Strategien Architekten

Wir alle kennen das: Vorstände oder Geschäftsführer präsentieren ihre strategischen Initiativen, doch Mitarbeiter und selbst der erweiterte Führungskreis sind nicht an der Entwicklung beteiligt oder eingeweiht. Bei der Umsetzung, selbstverständlich auf Basis des „sportlichen“ Zeitplans, wird es dann eng und Projekte werden zur Nagelprobe.

Die IT weist in diesen Fällen zum wiederholten Mal auf den Investitionsstau, mangelndes Personal und veraltete Systeme hin. Doch das Management wendet sich schnell anderen Themen zu, lässt Rollen und Verantwortungsstrukturen unangetastet, statt nachhaltige Änderungen zu fordern und zu fördern. Bis es wieder heißt: „Die IT bremst unser Business aus!“

Wie können wir diesen Teufelskreis durchbrechen? Wer soll die IT-Ausrichtung vorgeben? Über welche Zeiträume können wir sinnvoll planen?

Meine These dazu lautet: „Business und IT-Management arbeiten effizienter zusammen, wenn die wechselseitigen Erwartungshaltungen bekannt sind. Und in Grundsätzen dokumentiert sind.“ Wir sprechen hier von der organisatorischen Komponente des Business-IT-Alignments, also der konkreten Rolle, die die interne IT-Abteilung im Unternehmen hat.

Hört sich einfach an, ist aber in der Praxis zuweilen eine Herausforderung, die dem Tagesgeschäft nur zu gerne untergeordnet wird. Was ist nun zu beachten, um einen optimalen Beitrag der IT zum Unternehmenserfolg zu erzielen? Am Anfang steht oft ein Wandel:

  1. Unternehmensstrategie bzw. Business-Grundsätze intensiv kommunizieren!
    Kennt die IT-Abteilung die Ziele und strategischen Initiativen des Unternehmens? Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber oft keine gelebte Realität. Die Unternehmensstrategie existiert in den Köpfen des Top-Managements oder als Foliensatz, der die Absatz-, Umsatz- und Ertragsziele beschreibt. Mit welchen Fähigkeiten und Mitteln diese erreicht werden und welche Annahmen zur Entwicklung von Märkten und Kundenverhalten die Unternehmensstrategie stützen, bleibt oft unklar und unzureichend dokumentiert. Hier im gesamten Unternehmen für Klarheit zu sorgen, ist eine wichtige Führungsaufgabe des Top-Managements.
     
  2. IT-Grundsätze entwickeln und mit dem Top-Management vereinbaren!
    Sobald die Grundsätze, nach denen das Top-Management das Unternehmen entwickelt, bekannt sind, wartet die erste Aufgabe auf das IT-Management. Denken Sie jedoch nicht sofort an Umsetzung von Software-Architekturen und Infrastrukturen. Zunächst einmal geht es für IT-Manager darum, die eigene Rolle zu hinterfragen:
    "Positioniere ich die interne IT eher im IT-Betrieb oder braucht mich der Fachbereich als Business Enabler? Um welche Themen kümmern sich Dienstleister und wer steuert diese? Welche Aufgaben verbleiben im Unternehmen und welches Know-how brauche ich dafür? Sollen Budgets freigegeben werden, um ein Innovationsradar vorzuhalten?" So lauten nur einige der typischen Fragen, über die im Unternehmen Einigkeit erzielt werden sollte. Im Ergebnis erhalten Sie IT-Grundsätze, die den Handlungsrahmen des IT-Managements definieren.
     
  3. Einen IT-Strategieprozess implementieren – kontinuierlich!
    Mit den Business- und IT-Grundsätzen haben Sie ein solides Fundament gelegt. Jetzt geht es darum, eine gute Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilungen auf Dauer anzustreben. Und das fordert unsere permanente Veränderungsbereitschaft. Warum? Weil wir als Unternehmen nur so lange relevant sind, wie wir unseren Kunden relativen Nutzen bringen. Zielführend ist es also, den Blick gemeinsam auf die Kunden zu richten und das eigene Geschäftsmodell in den Fokus zu nehmen. Welchen Mehrwert bietet mein Unternehmen den Kunden? Welche Kanäle und Technologien nutzen meine Kunden? Was ist das tatsächliche Bedürfnis, das mit einem Produkt oder einer Dienstleistung bedient wird? Welche Schlüsselfähigkeiten will ich ausbauen, wo greife ich auf Partner zurück? Welche Technologien halte ich ohne erkennbaren Kundennutzen vor?

Klar ist: Antworten auf diese Fragen finden Unternehmen kaum mehr in dem üblichen jährlichen Strategiemeeting. Dazu verändern sich Kundenerwartungen ebenso (zu) schnell wie die digitalen Möglichkeiten, die heutige oder zukünftige Wettbewerber nutzen werden.

Die Erfolgsformel liegt vielmehr darin, in einem Unternehmen ein geteiltes Zielbild zu entwickeln und permanent fortzuschreiben. Und das Zielbild über alle Ebenen im Unternehmen an Veränderungen anzupassen und konsistent zu halten. Zur Priorisierung einzelner Aktivitäten und Budgets können dann wiederum die Business- und IT-Grundsätze herangezogen werden.

Damit Ihr Start in den IT-Strategieprozess gelingt, werde ich hier zukünftig auch Tools und Methoden vorstellen, mit denen wir in der Beratungspraxis gute Erfahrungen gemacht haben.

 

Björn Jansen

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