Blockchain kann mehr als Bitcoin!

Blockchain ist die Technologie, mit der Kryptowährungen funktioniert. Doch Bitcoin ist nur eines der vielen Anwendungsmöglichkeiten eines solchen Netzwerks.

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Was ist überhaupt Blockchain?

 

Blockchain ist eine auf „Peer-to-Peer“ basierende Technologie. Sie kann für viele Zwecke genutzt werden und allen, von Privatpersonen bis hin zu großen Konzernen, den Alltag vereinfachen.

Der Trick dahinter? Tausende Rechner weltweit, die in ständigem Kontakt zueinander stehen und Transaktionen jeglicher Art dokumentieren. Stellen Sie sich vor, Sie könnten beim Autohändler binnen Minuten einen neuen Wagen auf Ihren Namen ummelden! Blockchain ermöglicht dies! Wie genau? Ganz einfach: Ein Netzwerk der KFZ-Zulassungsstelle und der Autohäuser Deutschlands, ein gemeinsames Dokument an dem gearbeitet wird und viele dezentralisierte Rechner, die die Gültigkeit jeder Veränderung überprüfen!

Die klassische Server-Client-Beziehung wird aufgelöst, stattdessen wird an jedem Knoten des Netzwerks die Veränderung überprüft, nachgerechnet und bei einem Konsens durchgeführt. Jede Veränderung ist nachvollziehbar und permanent, Korrekturen können nur durch neue Veränderungen vollzogen werden.

Blockchain kann uns in vielen Sektoren Sicherheit geben, uns Zeit ersparen und auch Kosten senken. Es hat ein unglaubliches Potenzial, Teil unseres Alltags zu werden, jedoch, wie alles im Leben, hat auch dies Vor- und Nachteile. Schauen wir uns diese mal genauer an.

Vorteile der Blockchain

 

Dezentralisiert: Kein zentrales, Cyber-Attacken- oder ausfallanfälliges Rechenzentrum. Dies gibt Sicherheit bezüglich der Stabilität der Abläufe, als auch Vertrauen. Kein „Single Source of Truth“ dem alle blind vertrauen, sondern Tausende synchrone Geräte im Netzwerk, jedes von ihnen gleichwertig.

Transparenz: An jedem Rechner des Netzwerkes ist jede Transaktion protokolliert. Abhängig von den Berechtigungen jedes Mitglieds können Details eingesehen werden. Alle Transaktionen lassen sich zurückverfolgen.

Kostenersparnis: Es können Vermittler und Kontrollen eingespart werden, jede Transaktion und jeder Prozess wird von allen Mitgliedern im Netzwerk geprüft. Bei einer Mehrheit oder einem „Konsens“ werden diese durchgeführt.

Zeitersparnis: Ein stark vernetztes System! Keine Formulare von A nach B und wieder zurück. Stattdessen hat jeder die notwendigen Daten binnen Minuten und der Workflow kann weitergehen.

Nachteile der Blockchain

 

Nicht hochskalierbar: Mit jedem Block oder jeder Transaktion verlängert sich auch die Chain, also auch das Protokoll. Abhängig vom Prozess kann dies zu einer enormen Datenmenge anwachsen. Für Normalverbraucher eine Herausforderung!

Inperformant: Blockchains sind von Natur aus langsam. Es wird viel Rechenleistung für Sicherheit und Kryptografie verbraucht. Um die Sicherheit zu gewährleisten, werden sehr aufwändige kryptographische Verfahren genutzt, auch die Identifikation jedes Rechners im Netzwerk ist sehr aufwändig. Natürlich müssen die Rechner im Laufwerk ständig auf Synchronität geprüft werden, auch hierbei geht Leistung verloren.

Hoher Stromverbrauch: Nicht nur sind Blockchains langsam, sie verursachen auch hohe Stromkosten. Jede Transaktion wird an jedem Knoten nachgerechnet und prozessiert. Das ist mehr als nur doppelter oder dreifacher Arbeitsaufwand: Dies ist ein n-facher Aufwand! Schätzungsweise wird von dem globalen Stromverbrauch etwa 8% für den Datenverkehr allein genutzt. Von den hohen Stromkosten für das Prozessieren ganz zu schweigen. Ich empfehle, die Heizung von Gas auf Mining umzustellen!

Zu viel Transparenz: Transparenz ist super und gibt uns allen ein gutes Gefühl, jedoch haben wir alle auch Geheimnisse. Bei der Blockchain sind die Transaktionen verschleiert, es werden keine Namen genannt, sondern die Identifikation erfolgt über kryptische Zahlen- und Buchstabenkombinationen, wie ein Pseudonym. Dies kann in einigen Fällen jedoch bereits genug sein, es lässt sich auch so auf Zusammenhänge schließen.

Eine weniger transparente - aber auch wenig sinnvolle - Alternative sind private Blockchains, dabei beschränkt man das Netzwerk auf Rechner innerhalb des Unternehmens. Zum einen ist dies oft nur für Konzerne möglich, zum anderen kann man so kaum Vorteile der Technologie nutzen. Gerade die dezentralisierte Datenbank macht Blockchain so attraktiv. Dann lieber mit einer ganz klassischen Datenbank arbeiten.

Paket wird verarbeitet

Wo wird Blockchain nun eigentlich verwendet? Wo könnte es in Einsatz kommen?

 

Die Deutsche Bahn arbeitet derzeit an einer blockchain-basierten Lösung um verschiedenste Mobilitätsunternehmen stärker miteinander zu integrieren, um so die Verrechnung zu verschnellern. Dies wäre ein riesiger Gewinn für die Benutzer!

Auch in der Logistik bietet die Blockchain unglaublich viel Potenzial! Wenn Lieferant, Hersteller, Verkäufer und Paketdienst in enger und automatischer Kommunikation wären, so könnten alle Beteiligten schneller auf Fehler und Probleme aufmerksam werden. Unerwartete Verzögerungen in der Lieferkette verursachen heute enorme Kosten.

Online-Wahlen hatten bisher immer eine ganz große Herausforderung: Sicherheit! Eine einzige Datenbank kann angegriffen werden und das Wahlergebnis ist in Gefahr. Keine Gruppe von Hackern kann allerdings tausende, weltweit verbreitete Rechner so manipulieren, dass ein einheitliches, identisches und falsches Ergebnis die Mehrheit oder den Konsens erlangt.

Einige Use Cases gibt es jetzt bereits, viele werden sich jedoch mit der Zeit erst herauskristallisieren. Ähnlich wie das Internet als Neuheit heute essentieller Teil unseres Lebens geworden ist, so kann die Blockchain dies auch.

Fazit

 

Blockchain ist eine fantastische Möglichkeit, um kleinere Prozesse zu beschleunigen, es können die verschiedensten Workflows abgebildet werden und es kann Unmengen an Zeit und Nerven ersparen. Auch gewinnt man sehr viel Sicherheit.

Dies ist jedoch kein Appell, alles auf Blockchain umzustellen, denn mit den zahlreichen Vorteilen muss man auch die Limitationen und Herausforderungen der Technologie in Kauf nehmen. Umfangreiche oder auch geheime Transaktionen löst man lieber weiterhin mit klassischen Methoden. Ist absolute Geheimhaltung nicht notwendig oder eine Identifikation nicht möglich, wird mehr Sicherheit und Vertrauen benötigt, so ist das Verlagern der Datenbank, also die „Single Source of Truth“, sicherlich eine genial einfache Möglichkeit.

 

Autor: Münib Kuzu, Consultant, Business Solutions BA

 

Quellen:                

Blockchain for Dummies, Manav Gupta

https://www.blockchain-infos.de/vorteile-nachteile-blockchain/

https://coinspondent.de/2017/07/13/warum-private-blockchains-unfug-sind/

https://www.bitkom.org/sites/default/files/2019-06/190613_bitkom_studie_blockchain_2019_0.pdf

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